Darstellung – Paar im 9. Jahrhundert

Kerstin „die Christliche“

Wir haben entschieden, in unserer Darstellung unsere richtigen Vornamen zu verwenden. Kerstin bedeutet „die Christliche“. Daher glaube ich in meiner Rolle an die vielen Götter und den einen christlichen Gott in einem Glaubens-Mix. Vielleicht hat Kerstin der jungen christlichen Gemeinde in Haithabu/ Ripa angehört, vermutlich war sie getauft. Als Ehefrau von Christoph trägt sie symbolisch den Schlüssel für Haus und Hof in Katteby.

Unterkleider aus Schurwolle:

Meine Kleider nähe ich nach Vorlage meines maßgeschneiderten Hochzeitskleids liebevoll mit Handnähten selbst. Dieses grüne Wollkleid hat sich bewährt. Ein leichteres Wollkleid nach historischem Schnittmuster ist in Planung.

Klappenmantel:

Dieser Klappenmantel ist kuschelig weich. Der Doubelface-Wollstoff ist innen blau und außen khakifarben. Das Schnittmuster ist etwas kürzer als die Vorlage – weil ich ja nich so groß bin 😉

Fiebelkette:

Mein Hochzeitsschmuck besteht aus zwei Ribe-Fibeln nach Fund, 9 Jhd., die der Archäologe Ken Ravn Hedegaard für mich gefertigt hat. Die Perlen sind nach Fund aus Ribe, Haithabu, Birka und Gotland frei zusammengestellt. Das Knochenstück ist eine Nadeldose, die Christoph für mich gefertigt hat.

Haithabu-Münze:

Diese Münze habe ich mir beim Open Thor in Walsgaard prägen lassen. Es ist eine Münzprägung nach Fund in Haithabu von um 825 nach Christus. Das Motiv kommt Euch bekannt vor? Richtig, das ist die Vorlage für unser Katteby-Logo! Wir haben lediglich zwei Ohren an dem Kopf über dem Haus ergänzt und die Kringel an den Seiten etwas schlichter als Katzenschwänze stilisiert.

Thorshammer:

Ich trage einen kleinen Thorshammer-Replik aus dem 9./10. Jhd. aus Norwegen. In Norwegen haben wir uns im realen Leben verlobt. Christoph hat mir diese Kette zur Hochzeit überreicht. Der Thorshammer beinhaltet ein Kreuzmuster. Für mich steht er für den Glaubens-Mix, den die Menschen lebten.

Hochzeits-Schlüssel:

Dieser Schlüssel ist im Borrestil gehalten, einer Kunstrichtung der Wikinger, die auf 850 bis 950 nach Christus datiert wird. Der Fundort ist unbekannt. Ausgestellt ist der Schlüssel im dänischen Nationalmuseum. Ich trage ihn als Symbol dafür, dass ich als Frau Herrin über Haus und Hof in Katteby bin.

Haarnadel:

Diese Haarnadel ist einem geschnitzen Tierkopf aus dem Oseberg-Fund nachempfunden.

Haithabu-Tasche:

Im Haithabu Fundatlas „Spurensuche Haithabu“ werden die Funde der Taschenbügel – es gibt mindestens fünf Varianten – vorgestellt. Diese Tasche hat Christoph genäht, der Bügel ist eine Replik. Taschen dieser Art wurden damals von den Seefahrern getragen – ich trage sie heute wie eine Damenhandtasche, auch wenn man sie früher enger an der Schulter getragen hat.

Schuhe:

Dieser Schuh ist wendegenäht. Es läuft sich in dem Schuh, wie in einem Barfussschuh. Das gesamte Hochzeitsfest habe ich in diesem Schuh durchgetanzt und auch schon viele Märkte mit ihnen besucht.

Lucetband-Gabel:

Dieses Requisit ist die Strick-Liese der Wikinger-Zeit. Es lassen sich Woll-Bänder damit knüpfen, die zum Beispiel im Bund einer Hose getragen wurden. Ich trage die Lucet-Gabel auch als Zierde an meinem Webgürtel.

Gewichtswebrahmen:

Zum Beispiel in Haithabu wurde eine Vielzahl an Webgewichten aus Ton gefunden. Vermutlich wurden sie für große Gewichtswebrahmen verwendet. Meine Webgewichte sind frei nachempfunden und wiegen zwischen 40 und 50 Gramm. Sie sind somit leichter als die meisten Funde. Hier dienen sie zum Beschweren der Fäden einer Brettchenborte. Diese Konstruktion mit einem Eichenbrett ist meines Wissens nicht belegt, jedoch praktisch im Vergleich zum Weben mit dem Gürtel. Ich habe den Webrahmen auf dem Wikingermarkt in Ribe gekauft.

Wollkorb:

Dieser Korb war ein Hochzeitsgeschenk. Kerstin hat ihn mit Wolle befüllt, die teilweise Pflanzen gefärbt ist und zum Nadelbinden, Brettechneweben und Nähen Verwendung findet.

Christoph „der Knochenschnitzer“

Auch Christoph trägt in Anlehnung an den heiligen Christophorus einen christlichen Namen. In seiner Rolle als wandernder Handwerker (Knochenschnitzer) vertraut er jedoch eher den alten Göttern. So trägt er gern gut sichtbar den Thorshammer. Aus wirtschaftlichem Vorteil heraus, mag auch er getauft sein und sich in der christlichen Gemeinde engagieren. Vielleicht hat er darüber Kerstin kennengelernt…

Tunika aus Schurwolle:

Diese Tunika gehört zu den ersten Stücken, die Kerstin noch mit der Maschine selbst genäht hat. Sie ist mit einer selbst gewebten Oseberg-Borte in braun-weiß besetzt. Die Besatzform ist frei erfunden.

Klappenmantel:

Christoph’s Klappenrock ist aus braunem Wollstoff handgenäht und mit dem Hexenstich verziert. Dieser Stich ist im Fundkatalog aus Haithabu belegt.

Fuchsfell:

Das Fuchsfell ist ein Hochzeitsgeschenk. Das Tier hat in den Wäldern rund um unser Heimatdorf gelebt. Es bedeutet uns sehr viel und kommt daher nicht mit auf die Märkte. Zudem ist uns bekannt, das Schulterfelle nicht belegt sind, weshalb auch das Heidschnucken-Schulterfell nur im Ausnahmefall ausgepackt wird.

Hiddensee-Schmuck:

Der Fund von Hiddensee besteht eigentlich aus 16 Einzelteilen und stammt aus der Zeit Harald Blauzahns (2. Hälfte des 10.Jhd.) Für unsere Darstellung ist das etwas spät. Der Fund fasziniert uns jedoch und die Replik ist auch ein guter Gesprächsanlass, um zu erklären, wie wir Geschichte aus verschiedenen Funden fiktiv in unserer Darstellung neu zusammengesetzt haben.

Thorshammer:

Christoph trägt angelehnt an den Thorshammer aus Falster in Dänemark 9. bis 10. Jhd. diese Replik. Sie besitzt eine Aufhängung, die etwas anders ist als im Fund. Christoph hat dazu eine Kette mit zwei Wolfsköpfen ausgewählt. Diese ist nicht nach Fund. Erinnert jedoch an Odins Wölfe Geri und Freki aus der Mythologie.

Sax:

Das Sax hat Christoph zu unserer Hochzeit getragen. Es ist ein Sax vom skandinavischen Typ in Anlehnung an Funde auf Gotland.

Tabakbeutel:

Dieses Requisit hat eine rein praktische Funktion und wird von Christoph auch im Alltag genutzt, um Tabak, Blättchen und Filter immer griffbereit zu haben. Der Tabakbeutel ist eine Eigenkreation.

Gürteltasche:

Diese Gürteltasche ist keine Replik. Sie begleitete Christoph schon auf vielen Märkten und fantasievollen Mittelalter-Festivals. Wir überlegen sie auszutauschen. Vielleicht bleibt die Tasche aber auch, weil mit ihr schon so viele Erlebnisse verbunden sind.

Schuhe:

Auch dieser Schuh ist wendegenäht. Gefertigt von der Familie Barkmann. Gewusst?
Schuhe waren Wegwerf-Artikel in der Wikingerzeit, ähnlich wie Amphoren in der Römerzeit. Es gibt unzählige Funde in Haithabu.

Säge:

Diese Säge ist nicht nach Fund, sondern den Möglichkeiten der Zeit frei nachempfunden. Das heißt: man hätte sie zu damaliger Zeit mit damaligen Mitteln auch so fertigen können. Bügelsägen sind bereits seit dem römischen Reich belegt. Christoph hat sie selbst gebaut.

Werkzeugblock:

Der Werkzeugblock ist nicht nach Fund, sondern den Möglichkeiten der Zeit frei nachempfunden. Das heißt: man hätte diesen zu damaliger Zeit mit damaligen Mitteln auch so fertigen können. Der Block ist einfach ein praktischer Begleiter auf den Märkten, nicht unsere Erfindung, sondern bei einem anderen Lager abgeguckt.

Ruderkiste/ Werkzeugtruhe:

Diese Werkzeugtruhe ist Christoph’s Stolz. Sie ist frei rekonstruiert und keine Replik eines Fundes. Christoph hat sie in Anlehnung an Funde aus Haithabu und Gotland selbst gebaut. Früher hatten die Seefahrer Rudertruhen als Sitzbank und Aufbewahrungsort für persönliche Gegenstände an Bord. Im Schiffsmuseum Roskilde, Dänemark ist dies schön dargestellt. Es gab aber auch Werkzeugtruhen, so wie Christoph sie verwendet. Seine Inspiration ist die im Original deutlich länglichere Mastermyr Truhe.

Geschichte vermitteln im Rollenspiel

Wir haben in Ribe erlebt, wie durch ein kurzes Rollenspiel ein Impuls für Fragen und ein gutes Gespräch gelingen kann. Diese Geschichte einer Darstellerin hat uns tief beeindruckt und macht für uns seither den Charme von Ribe aus.

Wir kamen als Besucher ins Langhaus, es roch nach Kräutern und Feuer, eine Ehrenamtliche kam mit beiden Armen in die Seite gestemmt festen Schrittes auf uns zu und zeterte: „Ihr seid von weit her, ist Euch unterwegs mein Mann der Jarl begegnet? Er ist seit Jahr und Tag auf „viking“ und ich sitze hier nun mit der ganzen Arbeit. Ich bin für das ganze Dorf zuständig. Er soll sich nur blicken lassen, mich hier so lange allein zurückzulassen. Habt Ihr ihn gesehen?“

In Anlehnung daran haben wir uns eigene Impulsgeschichten als Gesprächsanlässe je nach Ort ausgedacht:

Für eine Darstellung in Ripa (DK)

(Thema Kleidung in der Wikinger-Zeit)

Nicht-Gewandete Passanten auf den Wegen ansprechen:

Christoph: Guten Tag mein Herr, guten Tag meine Dame, kennt Ihr Euch hier in Ripa aus? Meine Frau Kerstin und ich sind gerade erst eingetroffen.

Kerstin: Wir suchen den Schuhmacher. Unsere Schuhe sind ganz durchgelaufen. (Wendegenähte Schuhe zeigen) Wir sind über den Ochsenweg von Haithabu/ Schleswig gekommen. Ihr könnt Euch vorstellen: Überall kleine Steine und ein Kuhfladen nach dem anderen.

Christoph: Wir sind gekommen um an der Einweihung der neuen Kirche teilzunehmen.und um Verwandte zu besuchen.

Kerstin: Eure Kleidung ist ja interessant. Trägt man das heute im Jahr 860 so? Als wir vor einem Jahr geheiratet haben waren noch diese Fibeln ausBronze etwas ganz besonderes.

(Bei Interesse mit den Besuchern über die Wikinger-Zeit plaudern. Unterschiede der Kleidung früher und heute/ dabei die eigene Rolle als Darstellung thematisieren.)

Christoph: Jetzt müssen wir wirklich den Schuhmacher finden. Danke für Eure Hilfe!

Für eine Darstellung im Lager Ripa/ Haithabu

(Thema Handwerk und Religion)

Wir arbeiten an unseren Handwerken.

Christoph: Guten Tag Ihr Reisenden, seid Ihr über den Ochsenweg her gekommen? Habt Ihr dort vielleicht einen junge Burschen getroffen? Er trägt eine Kiepe auf dem Rücken. Der Junge lernt bei mir das Handwerk des Knochenschnitzens und verspätet sich ordentlich mit einer neuen Ladung Knochen.

Kerstin: Er hat rote Haare und Sommersprossen im ganzen Gesicht. Wir sind wirklich in Sorge. Ihm mag hoffentlich nichts passiert sein.

Christoph: Schade, dass Ihr ihn nicht gesehen habt. Wenn die Knochen verloren sind, ziehe ich ihm die Ohren lang. Er kann von Glück sagen, wenn er nur mit seinen Füßen in einem der vielen Kuhfladen auf dem Weg versackt ist. Sollte er aber gar den Kopf zu tief in den Bierkrug gesteckt haben, dann mögen ihm die Götter zur Seite stehen, an die er glaubt.

Kerstin: An welche Götter glaubt Ihr Reisenden? Im Moment ist das ja ein Drunter und Drüber. Gerade ist das Christentum in Haithabu wieder verboten worden, aber wie man hört, hält Mönch Ansgar Fürsprache für die kleine Gemeinde beim Dänen-König. Vielleicht bekommt Ripa dann auch bald eine eigene Kirche. Solange trage ich den Thorshammer mit einem Kreuz. Man kann nie wissen, es kann nicht schaden die vielen Götter und den einen Gott gnädig zu stimmen.

(Bei Interesse mit den Besuchern über die Wikinger-Zeit plaudern. Handwerk (Was machen wir da gerade? Und den Glaubensmix erklären/ dabei die eigene Rolle als Darstellung thematisieren.)

Didaktische Überlegungen zu unserer Darstellung:

Wir wollen authentisch und lebensnah wirken, unterscheiden aber selbst klar zwischen fiktiven, biografischen und historischen Quellen.

Wir wollen Besuchern ermöglichen, die Wikingerzeit in einer personifizierten Geschichte nachzuempfinden.

Wir wollen kontextualisieren und Besuchern je nach Ort, Haithabu oder Ribe, einen Einblick in eine mögliche Geschichte rund um feststehende historische Fakten geben.

Wir wollen multiperspektivisch vermitteln und darauf hinweisen, dass die meisten Schriftquellen von Christen stammen, die von „rohen ungehobelten“ Menschen/ Wikingern sprechen. Unsere Darstellung liefert ein Gegenbild von unseren Vorfahren als talentierte Handwerker. Wir vermitteln, dass nur einige der nordischen Küstenbewohner auf „viking“ (= räuberische Seefahrt) gefahren sind und klären auf, dass der Begriff „viking“ eine Handlung beschreibt und erst rückblickend die Bezeichnung einer Volksgruppe bzw. Epoche wurde.

Wir sind uns bewusst, dass wir inhaltlich noch ganz am Anfang stehen und freuen uns im Austausch mit anderen Darstellern, durch Bücher und Museumsbesuche Neues Wissen zu erwerben.